MiCA-Regulierung in den Niederlanden: Krypto-Compliance und die AFM

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Rukkayah Jigam

 

Die Niederlande gehören zu den aktivsten MiCA-Vollstreckern in der EU. Die Autoriteit Financiële Markten (AFM) nimmt seit April 2024 CASP-Lizenzanträge entgegen, hat bereits mindestens eine öffentliche Warnung wegen Nichtkonformität gegen eine große Börse ausgesprochen und deutlich gemacht, dass sie formelle Maßnahmen gegen nicht lizenzierte Anbieter ergreifen wird, die niederländische Nutzer ansprechen. Wer Krypto in den Niederlanden hält oder eine Börse nutzt, die niederländische Kunden bedient, für den ist die dortige Regulierung besonders relevant.

Die Rolle der AFM bei der MiCA-Umsetzung

Die Markets in Crypto-Assets Regulation (MiCAR), offiziell Verordnung (EU) 2023/1114, hat einen einheitlichen EU-weiten Lizenzrahmen für Krypto-Dienstleister geschaffen. Jeder Mitgliedstaat benennt eine nationale zuständige Behörde (NCA) für die Zulassung und Aufsicht. In den Niederlanden ist dies die AFM, wie in der offiziellen ESMA-Liste der unter MiCA gemeldeten Behörden bestätigt.

 

Das Mandat der AFM ist umfassend. Sie bearbeitet MiCA-Lizenzanträge nach den Artikeln 60 und 63 der MiCAR, überwacht alle Aspekte des CASP-Geschäfts und verfügt über ein vollständiges Instrumentarium an administrativen Durchsetzungsmaßnahmen: Anordnungen mit Zwangsgeld, abgestufte Bußgelder und die Möglichkeit, CASP-Manager vorübergehend zu sperren. Diese Befugnisse wurden durch Änderungen am Finanzaufsichtsgesetz und der MiCA-Umsetzungsverordnung in das niederländische Recht übernommen.

 

Was den niederländischen Ansatz auszeichnet, ist die proaktive Haltung. Die AFM hat öffentlich erklärt, dass sie während der MiCA-Übergangsphase aktiv prüft, ob nicht lizenzierte CASPs niederländische Kunden ansprechen und aufnehmen, und bei Verstößen formelle oder informelle Maßnahmen ergreifen wird. Werbe-Compliance ist für 2026 als aktiver Durchsetzungsschwerpunkt benannt. Die AFM akzeptiert seit dem 22. April 2024 MiCA-Lizenzanträge. Das niederländische Recht sieht eine sechsmonatige Übergangsfrist vor, in der bereits aktive Unternehmen bis zum 30. Juni 2025 die volle MiCA-Konformität erreichen müssen. Nach Erteilung wird die Lizenz ab dem 30. Dezember 2024 EU-weit über das Passporting-Verfahren wirksam.

 

Die Bearbeitungsfristen sind gesetzlich geregelt: Die AFM hat 20 Werktage, um die Vollständigkeit eines Antrags zu bestätigen, danach 40 Werktage (verlängerbar um 20), um eine Entscheidung zu treffen. Diese Struktur gibt Antragstellern Planungssicherheit. Sie bedeutet auch, dass die AFM einen klaren Überblick darüber hat, wer konform ist – und wer nicht.

Bitvavo: Die niederländische MiCA-Börse

Bitvavo B.V. ist die größte Krypto-Börse mit Hauptsitz in den Niederlanden und besitzt eine MiCA-CASP-Lizenz mit den Niederlanden als Heimatmitgliedstaat. Die AFM meldete die Lizenz am 26. Juni 2025, mit Wirksamkeit ab dem 27. Juni 2025 – je nach Quelle.

 

Die Zulassung umfasst drei konkrete Dienstleistungen:

  • Verwahrung und Verwaltung von Krypto-Assets im Auftrag von Kunden
  • Betrieb einer Handelsplattform für Krypto-Assets
  • Transferdienste für Krypto-Assets im Auftrag von Kunden

 

Diese Kombination – Verwahrung plus Handelsplattform plus Transfers – macht Bitvavo zu einer der wenigen Börsen mit allen drei zentralen Dienstleistungsberechtigungen unter MiCA. Die von der ESMA gemeldete Lizenz gilt für 30 EWR-Länder, also die EU-27 plus Norwegen, Island und Liechtenstein. Bitvavo kann EWR-Bürger auf grenzüberschreitender Basis mit der niederländischen Heimatlizenz bedienen.

 

Für niederländische Nutzer ist die praktische Konsequenz klar: Bitvavo steht unter direkter AFM-Aufsicht, besitzt eine vollständige MiCA-Lizenz und kann mit dem entsprechenden Vertrauen genutzt werden. Kundengelder müssen nach MiCA-Regeln getrennt verwahrt werden, und Bitvavo unterliegt der laufenden AFM-Verhaltensaufsicht. Eine MiCA-Lizenz garantiert keine Rendite und schützt nicht vor Marktrisiken. Sie bedeutet, dass die Plattform definierte Standards für Governance, AML/CFT-Kontrollen und den Umgang mit Kundengeldern erfüllt. Sie garantiert nicht, dass jede Transaktion profitabel ist oder dass Kryptopreise nicht fallen.

MEXC-Nichtkonformität: Die Warnung der AFM

Am 24. September 2025 veröffentlichte die AFM eine öffentliche Warnung, dass MEXC Global in den Niederlanden aktiv Krypto-Asset-Dienste ohne die erforderliche MiCAR-Lizenz anbietet. Die AFM bezeichnete MEXC als illegal agierend, da die Plattform niederländische Nutzer gezielt durch Kampagnen und Sponsorings auf Niederländisch anspricht, aber keine klare Rechtseinheit oder Zuständigkeit offenlegt.

 

Der zugrundeliegende Aufsichtsentscheid datiert auf den 16. September 2025. Die AFM stellte fest, dass MEXC nach MiCAR nicht konform ist, insbesondere weil Krypto-Asset-Dienste ohne Zulassung erbracht wurden – ein Verstoß gegen MiCAR Abschnitt 59. MEXC besitzt weder als CASP noch als Token-Emittent eine MiCA-Lizenz in der EU oder im EWR.

 

Die AFM-Warnung war deutlich hinsichtlich des Risikos: Verbraucher laufen Gefahr, ihre gesamte Investition zu verlieren, falls MEXC in finanzielle Schwierigkeiten gerät – da es weder eine niederländische noch eine EU-Aufsicht gibt, unklar ist, wie Kundengelder gesichert werden, und es keinen garantierten Rückgriff bei Verlusten gibt. Auch andere Aufsichtsbehörden, darunter die britische FCA und die FSA der Seychellen, haben MEXC in eigenen Warnungen als nicht autorisiert gemeldet.

 

Wer aktuell Guthaben bei MEXC hält, für den ist die Position der AFM eindeutig: MEXC ist eine nicht lizenzierte Plattform ohne EU-Aufsicht. Die empfohlenen Schritte sind:

  • Ziehe deine Assets in eine Wallet ab, die du selbst kontrollierst, oder transferiere sie auf eine MiCA-lizenzierte Börse
  • Zahle keine weiteren Gelder bei MEXC ein, solange die Plattform nicht konform ist
  • Kontaktiere bei Fragen zur eigenen Situation die Informationshotline der AFM für Finanzmärkte

 

Die Übertragung in die eigene Verwahrung (Self-Custody) ist hier eine Option. Eine Hardware-Wallet wie Tangem bewahrt deine Private Keys komplett außerhalb von Börsen auf – deine Bestände sind also nicht von der Solvenz oder Compliance einer Plattform abhängig. Self-Custody liegt vollständig außerhalb des MiCA-Anwendungsbereichs (mehr dazu unten).

Weitere Börsen in den Niederlanden

Niederländische Nutzer sind nicht auf Bitvavo beschränkt. Mehrere MiCA-lizenzierte Börsen haben ihre Lizenzen für den niederländischen Markt passportiert. Die folgende Tabelle listet Börsen auf, die laut ESMA-Register (Stand Mitte 2026) für die Niederlande bestätigt sind.

BörseHeimatland der ZulassungAufsichtsbehördeHinweise
Bitvavo B.V.NiederlandeAFMHeimatland-Lizenz; Handelsplattform zugelassen
BitstampLuxemburgCSSFFür die Niederlande passportiert
OKXMaltaMFSAFür die Niederlande passportiert
eToroZypernCySECFür die Niederlande passportiert
RevolutZypernCySECFür die Niederlande passportiert
CoinbaseLuxemburgCSSFPassportiert; CASP-Lizenz ohne Handelsplattform-Erlaubnis
Gate.comMaltaMFSAFür die Niederlande passportiert
One Trading Exchange B.V.NiederlandeAFMNiederländischer Heimat-CASP
BTC Direct Europe B.V.NiederlandeAFMNiederländischer Heimat-CASP
Bitonic B.V.NiederlandeAFMNiederländischer Heimat-CASP
Coinmerce B.V.NiederlandeAFMNiederländischer Heimat-CASP
Finst B.V.NiederlandeAFMNiederländischer Heimat-CASP
Bullish EUEU-zugelassenESMA-RegisterEU-weite CASP-Zulassung

Beachte: Coinbase besitzt eine CASP-Lizenz ohne Handelsplattform-Erlaubnis, was die angebotenen Dienstleistungen einschränkt. Prüfe vor jeder Einzahlung den aktuellen Status einer Börse im ESMA-MiCA-Register, da dieses laufend aktualisiert wird und sich Bedingungen ändern können.

 

Binance ist nicht in dieser Liste enthalten. Stand Juli 2026 besitzt Binance keine MiCA-Lizenz und taucht weder im niederländischen noch im ESMA-MiCA-CASP-Register auf. Binance ist für niederländische Nutzer seit 2023 nicht mehr verfügbar, nachdem das Unternehmen die Niederlande verlassen hat, weil es keine Registrierung bei der De Nederlandsche Bank erhalten konnte. Die Nutzung von Binance bleibt für niederländische Einwohner untersagt.

Self-Custody für niederländische Krypto-Nutzer

Die MiCA-Lizenzpflicht gilt für Krypto-Dienstleister: Unternehmen, die Verwahrung, Handel, Transfer oder andere definierte Services für Kunden anbieten. Die Regulierung ist tätigkeitsbasiert. Sie gilt nicht für Privatpersonen, die ihre eigenen Private Keys halten und ihre Wallets selbst verwalten.

 

Die AFM stellt klar, dass die MiCAR-Zulassung für CASPs gilt, nicht für alle, die Krypto nutzen. Auch die niederländische Regierung bestätigt: Die Lizenzpflicht richtet sich an Anbieter von digitalen Verwahrwallets und anderen Krypto-Dienstleistungen. Wer eine Non-Custodial Wallet nutzt, also selbst die Schlüssel hält und Transaktionen signiert, bietet keinen Service für Dritte an und fällt nicht unter die Zulassungspflicht.

 

Diese Unterscheidung ist entscheidend. Im Jahr 2025 bevorzugten laut einer in Tangems Self-Custody-Analyse zitierten Studie weltweit 56,58 % der Krypto-Nutzer die Selbstverwahrung. Der Vorteil liegt auf der Hand: Bei Self-Custody kontrolliert der Wallet-Inhaber die Private Keys, Transaktionen werden lokal signiert, und keine Börse oder Vermittler kann den Zugriff einschränken oder einfrieren.

 

Tangem ist eine Hardware-Wallet, die genau für dieses Modell entwickelt wurde. Die Private Keys werden im Secure-Element-Chip (Samsung S3D350A, zertifiziert nach Common Criteria EAL6+) generiert und verlassen nie das Gerät. Die Signatur erfolgt direkt auf der Karte, wenn der Nutzer sie per NFC ans Smartphone hält. Die Schlüssel kommen zu keinem Zeitpunkt mit einem internetfähigen Gerät in Kontakt. Da Tangem ein Non-Custodial-Self-Custody-Tool ist, sind weder MiCA-Lizenz noch AFM-Aufsicht oder Registrierung erforderlich. Der Nutzer hält die Schlüssel – kein Dritter verwahrt sie stellvertretend.

 

One important caveat: Im Standard-Setup ohne Seed-Phrase gilt: Gehen alle Karten verloren und wurde keine Seed-Phrase erstellt, sind die Gelder dauerhaft unzugänglich. Tangem kann sie nicht wiederherstellen. Das ist der Preis der eigenen Schlüsselverwaltung: Volle Kontrolle bedeutet auch volle Verantwortung für Backups.

Häufig gestellte Fragen

  • Überprüfe den Eintrag der Börse im ESMA-MiCA-Register, bevor du Geld sendest. Bestätige das Heimatland der Zulassung, die Aufsichtsbehörde und die erlaubten Dienstleistungen. Eine CASP-Lizenz kann ohne Handelsplattform-Erlaubnis bestehen – die Dienstleistungsübersicht ist genauso wichtig wie der Name der Börse.

  • Prüfe das ESMA-MiCA-Register und die Mitteilungen der Börse, bevor du erneut einzahlst. Eine aktuelle Lizenz und ein gültiger Passporting-Status sind entscheidend. Ist ein Anbieter nicht mehr autorisiert, solltest du ihn nicht mehr als MiCA-konforme Option nutzen. Du kannst deine Assets in eine eigene Wallet übertragen oder eine autorisierte Börse wählen.

  • Eine AFM-Warnung weist auf ein Compliance-Risiko hin. Im Fall von MEXC sagt die AFM, dass die Plattform keine MiCAR-Lizenz, keine EU-Aufsicht und keinen garantierten Rückgriff bei Verlusten bietet. Die praktischen Optionen sind, Assets in eine eigene Wallet zu übertragen oder sie auf eine MiCA-lizenzierte Börse zu transferieren. Die Informationshotline der AFM für Finanzmärkte beantwortet Fragen zur individuellen Situation.

  • Nein. Binance ist für niederländische Nutzer seit 2023 nicht mehr verfügbar, nachdem das Unternehmen die Niederlande verlassen hat, weil es keine Registrierung bei der De Nederlandsche Bank erhalten konnte. Stand Juli 2026 besitzt Binance keine MiCA-Lizenz und taucht weder im niederländischen noch im ESMA-MiCA-CASP-Register auf. Die Nutzung bleibt für niederländische Einwohner untersagt.

  • Bei Self-Custody liegt die Backup-Verantwortung beim Wallet-Inhaber. Im Standard-Setup von Tangem ohne Seed-Phrase gilt: Gehen alle Karten verloren und wurde keine Seed-Phrase erstellt, sind die Gelder dauerhaft unzugänglich. Tangem kann sie nicht wiederherstellen. Bewahre die Backup-Karten sicher auf, bevor du Börsengelder in die Selbstverwahrung überträgst.

  • Die MiCA-Lizenzpflicht gilt für Anbieter von Krypto-Asset-Dienstleistungen, nicht für einzelne Nutzer. Niederländische Nutzer müssen in der Regel MiCA-lizenzierte oder ordnungsgemäß gemeldete Anbieter nutzen und die KYC/AML-Vorgaben der Anbieter erfüllen. Wer jedoch einen nicht lizenzierten Anbieter wie MEXC nutzt, hat keinen EU-Anlegerschutz, keine garantierte Kundengeldsicherung und keinen Rückgriff über niederländische oder EU-Behörden, falls etwas schiefgeht. Self-Custody-Wallets, bei denen der Nutzer die Private Keys selbst hält, liegen vollständig außerhalb des MiCA-Anwendungsbereichs und erfordern keine Lizenz oder AFM-Aufsicht.

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Autor Rukkayah Jigam

Writer & editor covering digital assets and product updates.

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Rezension von Patrick Dike-Ndulue

Senior editor covering crypto, onchain equities, and technology.