Ledger Recover vs. Tangem Seedless: Wie schützt du deine Private Keys am
Ledger teilt deine Seed-Phrase in Fragmente bei Dritten. Tangem verzichtet ganz auf Seed-Phrases. Was ist sicherer?
- Zentrale Erkenntnisse
- TL; DR
- Was ist Ledger Recover und wie funktioniert es?
- Das Seed-Phrase-Extraktionsproblem
- Die Regierung und das Subpoena-Problem
- Das KYC-Problem
- Das Closed-Source-Trust-Problem
- Du zahlst für deine eigene Sicherheit
- Eine Reihe von Sicherheitsvorfällen
- Wie Tangem diese Risiken vermeidet
Zentrale Erkenntnisse
Ledger Recover erhöht Vertrauensbedarf, Angriffsfläche und staatlichen Zugriff. Tangem vermeidet all das.
TL; DR
Ledger Recover könnte das ursprüngliche Hardware-Wallet-Versprechen brechen: Schlüssel verlassen nie das Gerät.
It introduces remote seed extraction, cloud custody, identity verification, and legal exposure across multiple jurisdictions.
Tangem takes the opposite approach. No seed phrase is ever created. Keys never leave the Secure Element. Backup is purely physical via multiple cards held by the user—no servers, no custodians, no KYC, no subscriptions.
Im Mai 2023 kündigte Ledger Ledger Recover an, einen optionalen Abodienst (9,99 $/Monat), mit dem Nutzer:innen ein Cloud-Backup ihrer Seed-Phrase erstellen können. Die Ankündigung löste eine der größten Kontroversen in der Geschichte der Hardware-Wallets aus. Sicherheitsexpert:innen stellten öffentlich Fragen zu den Folgen des Dienstes.
Ledger hat den Dienst inzwischen gestartet und bewirbt ihn weiterhin. Wer Hardware-Wallets nutzt, sollte genau verstehen, was Ledger Recover tatsächlich macht und welche Auswirkungen das auf das Sicherheitsmodell hat.
Was ist Ledger Recover und wie funktioniert es?
Wenn ein:e Nutzer:in Ledger Recover abonniert, verschlüsselt die Firmware des Geräts die Entropie der Seed-Phrase, teilt sie mithilfe von Shamir Secret Sharing in drei verschlüsselte Fragmente (Shards) und sendet jedes Fragment an einen anderen Drittanbieter: Ledger, Coincover und EscrowTech.
Um Recover zu nutzen, muss der/die Nutzer:in eine Identitätsprüfung mit amtlichem Ausweis und Gesichtserkennung bestehen. Zwei der drei Verwahrer senden dann ihre Shards zurück an das Ledger-Gerät, wo sie zur Wiederherstellung der Seed-Phrase zusammengefügt werden.
Der Dienst kostet für andere Wallets 9,99 $ pro Monat. Wird das Abo gekündigt, wird der Zugang zum Backup nach einiger Zeit gesperrt. Um den Zugang nach einer Unterbrechung wiederherzustellen, muss der/die Nutzer:in eine 50 EUR Verwaltungsgebühr sowie offene Beträge zahlen.
Das Seed-Phrase-Extraktionsproblem
Der zentrale Streitpunkt ist, was der Dienst über die Fähigkeiten des Geräts offenbart.
Vor der Ankündigung von Ledger Recover gingen Nutzer:innen davon aus, dass das Secure Element eine Einbahnstraße ist: Schlüssel hinein, Signaturen hinaus, aber nichts verlässt das Element. Auch das Marketing von Ledger vermittelte dieses Verständnis.
Ein Ledger-Post auf X erwähnte zuvor, dass Firmware-Updates die Seed nicht aus dem Secure Element extrahieren können.

Ledger Recover proved this was incomplete. The firmware does have the capability to extract seed phrase data from the Secure Element and transmit it to external parties.
Der ehemalige Ledger-CEO und Mitgründer Éric Larchevêque räumte später ein, dass die vorherige Aussage den Zusatz „solange man Ledger vertraut“ vermissen ließ.
Der Start des Dienstes zeigte: Die Ledger-Firmware kann technisch tatsächlich Seed-Phrase-Material extrahieren und übertragen, wenn der/die Nutzer:in zustimmt.
Bei Tangem wird standardmäßig nie eine Seed-Phrase erzeugt. Private Keys werden ausschließlich in den Secure-Element-Chips deiner physischen Karten gespeichert. Es gibt keine Möglichkeit, Schlüssel aus der Karte zu extrahieren. Das ist keine Richtlinie, die sich nachträglich ändern ließe; Tangem kann die Firmware auf bestehenden Geräten nicht updaten.
Die Regierung und das Subpoena-Problem
In einem Podcast-Interview nach der Ankündigung wurde Ledger-CEO Pascal Gauthier direkt gefragt, ob Regierungen über Ledger Recover Zugriff auf Seed-Phrases erhalten könnten.
Seine Antwort war eindeutig: Das „einzige Risiko“ sei eine behördliche Vorladung (Subpoena); dann könnten die drei Verwahrer gezwungen werden, die Shards herauszugeben.
- Ledger hat seinen Sitz in Frankreich (EU), Hauptquartier Paris.
- Coincover ist im Vereinigten Königreich registriert und FCA-reguliert.
- EscrowTech sitzt in Utah, USA
Die verschlüsselten Seed-Phrase-Shards unterliegen somit drei unabhängigen Rechtssystemen – jedes mit eigenen Überwachungs- und Zwangsbefugnissen. Eine Vorladung in einem dieser Länder kann einen Shard kompromittieren.
Frankreich unterliegt der DSGVO, hat aber auch weitreichende nationale Sicherheitsbefugnisse. Das Vereinigte Königreich hat nach dem Brexit eigene Datenschutzregeln und das Investigatory Powers Act, das Behörden weitreichenden Zugriff auf Daten britischer Unternehmen erlaubt.
Die USA verfügen über das umfangreichste Instrumentarium: FBI National Security Letters, FISA-Gerichtsbeschlüsse und normale Bundesvorladungen, die EscrowTech (Utah) zur Herausgabe zwingen können – oft mit Schweigeauflagen gegenüber den Betroffenen.
Das Grundproblem beim Shamir Secret Sharing im 2-von-3-Schema: Werden zwei der drei Verwahrer kompromittiert, kann die gesamte Seed rekonstruiert werden.
Eine koordinierte Anfrage zwischen nur zwei dieser Länder – etwa über ein US-UK Mutual Legal Assistance Treaty (MLAT) oder die Five Eyes (UK und USA sind Mitglieder) – könnte also theoretisch die Schlüssel eines Nutzers rekonstruieren, ohne dass dieser es erfährt.
Auch ohne Kooperation bleibt eine große Angriffsfläche: Drei Staaten, drei Rechtsstandards für Zwang und drei unterschiedliche Meldepflichten bei Datenpannen.
„Kriminelle nutzen Kryptos kaum.“
Gauthier spielte das Risiko herunter und argumentierte, Behörden würden solche Vorladungen nur bei schwerer Kriminalität einsetzen. Seiner Meinung nach „nutzen Kriminelle Kryptos kaum“. Damit räumte er ein, dass es einen rechtlichen Mechanismus für Dritte gibt, auf Seed-Phrases von Ledger-Recover-Nutzern zuzugreifen.
Als der Podcast-Host darauf verwies, dass die US-Steuerbehörde IRS bereits Nutzerdaten per Vorladung von Coinbase (13.000 Nutzer:innen betroffen) erhalten hatte, argumentierte Gauthier, Ledger sei kein Bankinstitut und unterliege anderen Regeln.
Ob diese rechtliche Unterscheidung im Ernstfall tatsächlich Bestand hätte, ist unklar.
Das KYC-Problem
Ledger Recover verlangt eine Identitätsprüfung mit Ausweis und Gesichtserkennung. Ledger betont, es handle sich um Identitätsprüfung, nicht um KYC – praktisch ist der Unterschied aber gering. Nutzer:innen verknüpfen damit ihre reale Identität mit dem Seed-Backup ihrer Hardware-Wallet.
Das Closed-Source-Trust-Problem
Nutzer:innen können nicht unabhängig prüfen, welcher Code auf ihrem Gerät läuft. Die Community kann also nicht verifizieren, ob die Seed-Extraktion wirklich nur für den Recover-Dienst möglich ist oder auch anders ausgelöst werden könnte.
Ledger will zwar nach und nach mehr Code offenlegen, aber die Kern-Firmware bleibt proprietär. Nutzer:innen müssen also Ledgers Zusicherungen vertrauen, was die Firmware kann und was nicht.
Du zahlst für deine eigene Sicherheit
Für Nano X und Nano S Plus kostet Recover 9,99 $ monatlich. Wer nicht mehr zahlt, verliert den Zugriff auf das Backup. Über fünf Jahre summiert sich das auf rund 600 $ an Abo-Gebühren.
Dies ist ein wiederkehrendes Erlösmodell, das die branchenübliche Seed-Phrase-Pflicht praktisch jeder Self-Custody-Wallet nutzt, um die damit verbundene Unsicherheit zu monetarisieren.
Tangems Backup-Modell ist physisch (2–3 Karten mit denselben Private Keys). Beim Einrichten der Wallet kannst du zwei oder drei Karten koppeln, die jeweils die gleichen Private Keys sicher generieren und speichern.
Jede Karte ist ein unabhängiger Zugangspunkt zur Wallet. Solange du mindestens eine Karte sicher aufbewahrst, behältst du die volle Kontrolle über deine Assets. Es gibt keine Seed-Phrase zum Aufschreiben, kein Cloud-Upload und keinen Remote-Recovery-Mechanismus.
Eine Reihe von Sicherheitsvorfällen
Ob man einem Anbieter zusätzliche Fähigkeiten wie Seed-Extraktion und Cloud-Storage anvertrauen sollte, hängt vom bisherigen Sicherheits-Track-Record ab. Ledger zeigt hier ein klares Muster:
2020: Kundendatenbank-Leak
2020 erlitt Ledger einen Daten-Leak, bei dem persönliche Daten von über 270.000 Kund:innen – darunter Namen, Adressen, E-Mails und Telefonnummern – offengelegt wurden. Auch eine Marketing-Datenbank mit etwa einer Million E-Mail-Adressen war betroffen.
Die geleakten Daten wurden in Hacking-Foren veröffentlicht und sind bis heute für Betroffene ein Problem. Die Folgen sind gravierend und persönlich:
- Zielgerichtete Phishing-Kampagnen im Namen von Ledger
- Physische Bedrohungen und Erpressungsversuche gegen Nutzer:innen, deren Adressen offengelegt wurden,
- und SIM-Swap-Angriffe mit den geleakten Telefonnummern.
Private Keys waren zwar nicht betroffen, aber der Vorfall zeigte, dass Ledgers operative Sicherheit für Kundendaten nicht ausreichte.
2023: Connect Kit Supply-Chain-Angriff
Im Dezember 2023 wurde Ledgers Connect Kit kompromittiert, eine Open-Source-JavaScript-Bibliothek, die viele dezentrale Anwendungen zur Ledger-Integration nutzen.
Ein Angreifer phishte einen ehemaligen Ledger-Mitarbeiter, dessen Zugang zum npm-Paketmanager beim Offboarding nicht entzogen wurde, und veröffentlichte dann manipulierte Versionen der Bibliothek, die Gelder auf Angreifer-Wallets umleiteten.
Der bösartige Code war etwa fünf Stunden aktiv und führte zum Diebstahl von über 600.000 $ auf verschiedenen DeFi-Plattformen wie Revoke.cash, SushiSwap und anderen. Betroffen waren nicht nur Ledger-Nutzer:innen, sondern alle, die mit DApps interagierten, die Ledgers Bibliothek nutzten.
Die Ursache war ein grundlegender Prozessfehler: Die Zugangsdaten eines Ex-Mitarbeiters für einen kritischen Deployment-Kanal wurden nicht entzogen. Ledger räumte im eigenen Post-Mortem ein, dass die Offboarding-Prozesse npm-Zugänge nicht abdeckten.
2026: Global-e Vendor Data Breach
Im Januar 2026 bestätigte Ledger, dass Kundendaten durch einen Leak bei seinem E-Commerce-Partner Global-e offengelegt wurden, der für Checkout und Bestellabwicklung auf Ledger.com zuständig ist. Betroffen waren Namen, Kontaktdaten, Versandadressen und Bestellinformationen – Wallets und Private Keys blieben sicher.
Wie Tangem diese Risiken vermeidet
Tangems Sicherheitsarchitektur wurde von Grund auf so konzipiert, dass sie Vertrauen minimiert und Angriffsflächen eliminiert, die immer wieder zu Problemen geführt haben.
Das Backup ist greifbar: Es liegt in den Karten der Nutzer:innen, nicht in einer verteilten Cloud-Infrastruktur von Drittanbietern. Das Sicherheitsmodell minimiert externe Abhängigkeiten und hält die Kontrolle vollständig in den Händen der Wallet-Besitzer:innen.
Mehr dazu unter wie Tangem Backups löst.
Keine Kundendatenbank mit Seed-Phrases
Tangem speichert keine identitätsgebundenen Key-Fragmente und hat keine Verwahrrolle für kryptografisches Material. Es gibt nichts, was Behörden anfordern oder Hacker angreifen könnten.
Tangems Geschäftsmodell basiert auf Hardware-Verkauf und Provisionen aus In-App-Services wie Yield Mode – keine Abos. Du kaufst die Karten, hältst die Karten, hältst deine Schlüssel.
Ledger verlangt Vertrauen.
Tangem entfernt die Notwendigkeit von Vertrauen.