Warum das Kapital mit den größten Renditen 2026 nicht in Krypto fließt

Warum Bitcoin und Krypto hinterherhinken, während KI, Speicherchips und Pre-IPO-Unicorns Rekorde feiern.

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Patrick Dike-Ndulue
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Bitcoin notiert bei rund 73.000 $, ein Minus von 6 % in dieser Woche und etwa 32 % seit Jahresbeginn. Ethereum ist unter die 2.000-$-Marke gefallen. Gleichzeitig erreicht der MSCI All Country World Index ein neues Allzeithoch.

Der Brent-Ölpreis verzeichnete den stärksten monatlichen Rückgang seit März 2020, und die USA und Iran stehen kurz vor einer Beilegung des Konflikts. Die makroökonomischen Bedingungen, die in der Vergangenheit für Rallys bei Risiko-Assets sorgten, waren diese Woche gegeben. Die digitalen Assetmärkte reagierten darauf jedoch kaum.
 

Bitcoin entkoppelt sich von der globalen Risikobereitschaft

Der ETF-getriebene institutionelle Nachfrageschub, der den Kursanstieg 2024 und 2025 unterstützte, hat deutlich nachgelassen. Das Blockchain-Analyseunternehmen Swissblock meldete diese Woche, dass die Nettoakkumulation von Spot-ETFs seit Jahresbeginn auf etwa 4.500 BTC abgeflacht ist. 

BlackRock's IBIT verzeichnete Abflüsse von 528 Mio. $ an einem einzigen Tag – der zweithöchste Tageswert aller Zeiten. Über neun Handelstage summierten sich die Nettoabflüsse aus Bitcoin-ETFs auf insgesamt 2,8 Mrd. $.

CryptoQuant stellte fest, dass sich das Angebot, das von langfristigen Investoren gehalten wird, zwar auf einem Allzeithoch befindet, dies aber nicht bedeutet, dass diese aktiv weiter zukaufen. Vielmehr zeigt es, dass weniger gehandelt wird.

Viele institutionelle Investoren nennen Regulierung als entscheidenden Faktor für ihr Verhalten. Gesetzesinitiativen zur Marktstruktur wie der CLARITY Act warten weiterhin auf die Genehmigung in Washington.

Wohin fließt das Kapital stattdessen?

Ein erheblicher Teil der institutionellen Risikobereitschaft, der früher in digitale Assets geflossen wäre, wird aktuell in private KI-Unternehmen, Halbleiter-Infrastruktur und prominente Pre-IPO-Chancen bei historisch hohen Bewertungen gelenkt.

Anthropic

Anthropic hat gerade 65 Mrd. $ bei einer Bewertung von 965 Mrd. $ eingesammelt und ist damit das wertvollste private KI-Unternehmen der Welt. Die Series-H-Finanzierungsrunde wurde von Altimeter Capital, Dragoneer, Greenoaks und Sequoia Capital angeführt.

Wiederholte große Finanzierungsrunden zu steigenden Bewertungen erlauben es Unternehmen, sich der öffentlichen Marktbewertung auf unbestimmte Zeit zu entziehen und weiterhin institutionelles Kapital aufzunehmen. 

Die Bewertung von 900 Mrd. $ nach der Runde impliziert Umsatzmultiplikatoren, die dauerhaft makellose Ausführung in einem hochkompetitiven Markt gegen OpenAI, Google, Meta und xAI voraussetzen – obwohl der Weg zur Profitabilität noch Jahre dauern dürfte.

SpaceX und OpenAI drängen an die Börse

SpaceX hat am 20. Mai 2026 seinen S-1 bei der SEC eingereicht und strebt eine Notierung an der Nasdaq unter dem Ticker SPCX am 12. Juni an. Die von Goldman Sachs begleitete Transaktion zielt auf eine Bewertung zwischen 1,75 und 2 Billionen $ und ein Emissionsvolumen von bis zu 75 Mrd. $ – das wäre der größte Börsengang aller Zeiten. 
 

OpenAI hat am 22. Mai einen vertraulichen S-1-Entwurf bei der SEC eingereicht, mit Goldman Sachs und Morgan Stanley als federführenden Banken. Das Unternehmen strebt einen Börsengang bereits im September 2026 an, bei einer Bewertung von über 1 Billion $. Die letzte private Finanzierungsrunde im März 2026 schloss bei 852 Mrd. $, der Jahresumsatz liegt bei über 25 Mrd. $.

Für institutionelle Anleger bieten die Pre-IPO-Märkte dieser beiden Unternehmen eine seltene Chance auf asymmetrisches Upside-Potenzial im großen Stil. 

Die erwarteten Gesamterlöse aus den IPOs von SpaceX, OpenAI und Anthropic könnten sich auf bis zu 200 Mrd. $ belaufen – mehr als das gesamte US-IPO-Volumen von 2022 bis einschließlich Q1 2026.


Speicherchips und der Halbleiterzyklus

Weniger sichtbar, aber ebenso bedeutend ist die Entwicklung bei High-Bandwidth-Memory-(HBM-) und NAND-Flash-Anbietern. Micron Technology liegt 2026 rund 238 % im Plus, die gesamte HBM-Produktion für das Jahr ist an große Hyperscaler vergeben. 

SanDisk, 2025 von Western Digital abgespalten, hat im vergangenen Jahr über 500 % zugelegt. Auch SK Hynix und Samsung arbeiten unter angespannten Lieferbedingungen.

Der zugrunde liegende Treiber ist strukturell: KI-Rechenzentren werden 2026 voraussichtlich 70 % der verfügbaren Speicherkapazität beanspruchen, und die HBM-Kapazitäten für das Jahr sind praktisch ausverkauft. Das Marktforschungsinstitut TrendForce prognostiziert einen Anstieg des gesamten Speicherchip-Umsatzes um 134 % auf 552 Mrd. $ im Jahr 2026, mit weiterem Wachstum bis 2027. 

Im Gegensatz zu privaten KI-Bewertungen ist die Nachfrage nach Speicherchips greifbar und durch Verträge abgesichert. Die Investitionszusagen der Hyperscaler sind bereits dokumentiert. Das wirkt sich direkt auf die Allokation von Risikokapital aus: Wer schnelle Renditen sucht, findet hier eine solide und bewährte Ertragsstory – etwas, das digitale Assets derzeit kaum bieten können.

Washington bleibt der limitierende Faktor

Das wichtigste strukturelle Hindernis für Krypto-Kapitalzuflüsse bleibt die Regulierung. Der CLARITY Act hat am 14. Mai mit 15:9 Stimmen den Bankenausschuss des US-Senats passiert und damit das bedeutendste Krypto-Regulierungspaket der US-Geschichte auf den Weg ins Plenum gebracht. 

Das Gesetz benötigt noch 60 Stimmen, um einen Filibuster zu überwinden, eine Abstimmung mit dem Repräsentantenhaus und die Unterschrift des Präsidenten. Selbst bei optimistischem Zeitplan wären verbindliche Regeln wohl erst 2027 in Kraft.

Die Bitcoin-ETF-Akkumulation stagniert bei 4.500 BTC netto seit Jahresbeginn, im Mai drehte der Trend bereits in Nettoverkäufe. Die Onchain-Aktivität bleibt niedrig. Institutionelle Marktteilnehmer betonen weiterhin, dass weitere Kapitalzuflüsse von regulatorischer Klarheit abhängen – und nicht von makroökonomischen Faktoren. 

Unser Fazit

Das aktuelle Umfeld ist geprägt von einer Umschichtung.

Private KI und angrenzende Infrastruktur bieten eine fokussierte Story mit enormen TAM-Prognosen, sichtbarem Umsatzwachstum und kurzfristigen IPO-Liquiditätsereignissen, die institutionellen Investoren einen klaren Ausstieg ermöglichen. 

Speicherchips bieten das gleiche KI-Exposure mit börsennotierter Liquidität und dokumentierter Gewinnentwicklung. Pre-IPO-Sekundärmärkte für SpaceX und OpenAI eröffnen eine weitere Möglichkeit, risikofreudiges Kapital asymmetrisch zu positionieren.

Bitcoin und Krypto-Assets warten auf einen politischen Impuls. Das makroökonomische Umfeld – inklusive fallender Ölpreise, Waffenstillstandssignalen und Rekordständen bei Aktien – hat bislang nicht für die erhoffte Nachfrage gesorgt.

Die Verabschiedung des CLARITY Act und der Börsengang großer KI-Unternehmen könnten einen Teil des Kapitals zurück in digitale Assets lenken – oder der KI-Infrastrukturboom absorbiert es weiter, bis die Musik verstummt.

 


Dieser Inhalt dient ausschließlich Informationszwecken und stellt keine Anlageberatung dar. Investitionen sind mit Risiken verbunden. Bitte führe vor Investitionen in Aktien oder Kryptowährungen immer eigene Recherchen durch.

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Autor Patrick Dike-Ndulue

Senior editor covering crypto, onchain equities, and technology.

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Rezension von Stepan Nilov

Ex. Head of Comms and Public Relations.