Tangem vs Coldcard MK4: Welche Cold Wallet ist 2026 sicherer?
- Was ist die Coldcard MK4 und für wen eignet sie sich?
- Wie unterscheiden sich die Sicherheitsarchitekturen?
- Wie sieht der Signierprozess im Alltag aus?
- Unterstützt die Coldcard MK4 andere Coins als Bitcoin?
- Was kosten die Wallets?
- Kann Tangem mit Sparrow oder Electrum genutzt werden?
- Fazit
- Schnellvergleich: Tangem und Coldcard MK4
Tangem und Coldcard MK4 sind beides Hardware-Wallets, die private Schlüssel offline speichern. Damit enden aber schon die Gemeinsamkeiten. Tangem ist eine NFC-Karte ohne Seed, die über eine Mobile App funktioniert und mehrere Blockchains unterstützt. Coldcard MK4 ist ein reines Bitcoin-Signiergerät, das auf MicroSD-basierten PSBT-Workflows, Open-Source-Firmware und manueller Schlüsselverwaltung basiert.
In diesem Artikel findest du Antworten auf die wichtigsten Fragen zu beiden Wallets: Sicherheitsarchitektur, Backup-Modelle, täglicher Ablauf, unterstützte Coins und Preis.
Was ist die Coldcard MK4 und für wen eignet sie sich?
Die Coldcard MK4 ist ein reines Bitcoin-Signiergerät von Coinkite, das 2022 erschienen ist. Sie verfügt über ein numerisches Tastenfeld, ein 0,96-Zoll-OLED-Display, einen einzelnen MicroSD-Slot, NFC und USB-C. Die Stromversorgung erfolgt über USB, einen internen Akku gibt es nicht. Das Gerät nutzt die gleiche Dual Secure Element-Architektur wie die Coldcard Q, mit vollständig Open-Source-Firmware, die auf GitHub einsehbar ist.
Die MK4 richtet sich an Nutzer, die ernsthafte Bitcoin-Cold-Storage wollen, ohne für die zusätzliche Hardware der Q zu bezahlen. Sie unterstützt die gleichen PSBT Air-Gap-Workflows, Schutzfunktionen gegen Zwang (Duress PIN, Brick Me PIN, Countdown-to-Brick), Würfel-Entropie zur Seed-Erstellung und eine tiefe Integration mit Bitcoin-Wallet-Software wie Sparrow, Electrum, Nunchuk und weiteren. Sie besitzt keinen QR-Scanner, keine QWERTY-Tastatur und keinen Akku wie die Q.
Die MK4 ist für erfahrene Bitcoin-Nutzer gedacht, die leistungsfähige Cold Storage zu einem niedrigeren Preis als die Q suchen. Sie ist nicht anfängerfreundlich und nicht für Multi-Chain-Portfolios geeignet.
Wie unterscheiden sich die Sicherheitsarchitekturen?
Beide Wallets verwenden Secure-Element-Chips, verfolgen aber unterschiedliche Ansätze.
Tangem setzt auf ein einzelnes EAL6+ zertifiziertes Secure Element. Der private Schlüssel wird beim Einrichten im Chip erzeugt und verlässt diesen nie. Standardmäßig wird keine Seed-Phrase erstellt. Die Karte hat keinen USB-Anschluss, kein Bluetooth und keinen Akku. Alle Kommunikation läuft über NFC. Die Firmware ist ab Werk festgelegt und kann nicht aktualisiert werden. Die App ist Open Source, die Karten-Firmware ist Closed Source, wurde aber unabhängig von Kudelski Security und Riscure geprüft.
Coldcard MK4 verwendet zwei Secure Elements von unterschiedlichen Herstellern: ein Microchip ATECC608C und ein Maxim DS28C36B, zusammen mit einem STM32-Mikrocontroller. Chips von drei verschiedenen Anbietern bedeuten: Ein Backdoor oder kritische Schwachstelle müsste in allen drei Chips unabhängig voneinander existieren, damit der Seed kompromittiert werden könnte. Der ATECC608 ist ein Fixed-Function-Chip – sein Verhalten ist in der Hardware festgelegt und kann nicht per Firmware geändert werden. Die gesamte Firmware ist Open Source und unabhängig überprüfbar.
Wie sieht der Signierprozess im Alltag aus?
Tangem: App öffnen, Transaktion erstellen, Karte ans Smartphone halten und bestätigen. Keine Kabel, kein Bootvorgang, keine Firmware-Updates nötig. Die Einrichtung dauert weniger als zwei Minuten. Alle Aktionen laufen über die Mobile App.
Coldcard MK4: Zuerst wird eine unsignierte PSBT-Transaktion in einer Watch-Only-Wallet wie Sparrow oder Electrum erstellt und auf einer MicroSD-Karte gespeichert. Diese wird in die MK4 gesteckt, die Transaktion auf dem Gerät geprüft und signiert, die Karte wieder entfernt, im Computer eingesteckt und die Transaktion gesendet. Alternativ kann das Gerät Daten auch per NFC übertragen oder als USB-Laufwerk fungieren – das vereinfacht den Ablauf für Nutzer, die nicht bei jeder Transaktion eine MicroSD verwenden möchten.
Unterstützt die Coldcard MK4 andere Coins als Bitcoin?
Nein. Die Coldcard MK4 ist ausschließlich für Bitcoin. Sie integriert sich mit Sparrow, Electrum, Nunchuk, Casa, Wasabi, BlueWallet (Watch-Only) und weiteren Bitcoin-nativen Tools. Ethereum, Solana, Stablecoins, NFTs oder andere Chains werden nicht unterstützt. Für reine Bitcoin-Nutzer ist das ein bewusstes Feature – keine zusätzliche Angriffsfläche durch Multi-Chain-Support. Wer Assets auf mehreren Netzwerken hält, stößt hier an eine klare Grenze.
Tangem unterstützt über 16.000 Assets auf mehr als 85 Blockchains, darunter Bitcoin, Ethereum, Solana, XRP, BNB Chain, Arbitrum, Base, Polygon, Avalanche, Tron und die meisten wichtigen ERC-20- sowie Non-EVM-Token. WalletConnect ermöglicht DeFi und NFT-Verwaltung auf ausgewählten Netzwerken.
Was kosten die Wallets?
Tangem wird im Set verkauft. Ein 2er-Set kostet 54,90 US-Dollar, das 3er-Set 69,90 US-Dollar. Redundanz ist bereits im Kauf enthalten.
Die Coldcard MK4 kostet 158 US-Dollar im offiziellen Coinkite-Shop. Für ein vollständiges Air-Gap-Setup werden meist weitere Komponenten benötigt: eine MicroSD-Karte, ein USB-Kabel (nicht im Lieferumfang) und ein robustes Seed-Backup – empfohlen werden Metallplatten.
Kann Tangem mit Sparrow oder Electrum genutzt werden?
Nicht direkt. Tangem ist für die Nutzung mit der eigenen Mobile App als Hauptoberfläche und WalletConnect für dApp-Verbindungen konzipiert. Eine native Integration mit Sparrow, Electrum oder Desktop-Bitcoin-Wallets gibt es nicht. Die Coldcard MK4 bietet dagegen eine umfassende, gut dokumentierte Integration mit dem gesamten Spektrum der Bitcoin-nativen Tools – ein echter Vorteil für Nutzer, die eigene Nodes betreiben oder fortgeschrittene Multisig-Setups nutzen.
Fazit
Tangem richtet sich an Nutzer, die Cold Storage ohne operative Komplexität suchen. Die Wallet unterstützt viele Chains, benötigt standardmäßig keine Seed-Phrase, muss nicht geladen oder verkabelt werden und funktioniert komplett per Smartphone-Tap. Die Einrichtung dauert nur wenige Minuten, und das Redundanzmodell ist direkt im Set enthalten.
Die Coldcard MK4 ist für Bitcoin-Puristen, die eine starke, auditierbare Cold Storage am unteren Ende der Coldcard-Preisskala wollen. Sie bietet die gleiche Dual-Secure-Element-Architektur und Open-Source-Firmware wie die Q, aber mit weniger Komfortfunktionen und einer reduzierten Bedienoberfläche.
Wenn du Bitcoin zusammen mit anderen Assets hältst und eine Wallet suchst, die alles per Smartphone-Tap abdeckt, ist Tangem die praktischere Wahl.
Schnellvergleich: Tangem und Coldcard MK4
Funktion | Tangem | Coldcard MK4 | Hinweise |
Secure Element | Einzeln, EAL6+ | Dual (ATECC608C + DS28C36B) + STM32 MCU | MK4 nutzt Chips von drei verschiedenen Herstellern |
Firmware | Fest, geprüft, Closed Source | Open Source, updatefähig, reproduzierbar | MK4-Code kann unabhängig kompiliert und geprüft werden |
Seed-Phrase | Optional (standardmäßig aus) | Erforderlich (24 Wörter) | MK4 unterstützt Seed XOR, Würfel-Entropie, BIP39-Passphrase |
Coin-Unterstützung | 16.000+ Assets, 85+ Chains | Nur Bitcoin |
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Air-Gap-Signatur | Nein (NFC zum Smartphone) | Ja (MicroSD PSBT + NFC) | MK4-USB-Datenübertragung kann dauerhaft deaktiviert werden |
On-Device-Display | Kein Display (App-basierte Prüfung) | 0,96" OLED | Tangem nutzt das Smartphone-Display zur Transaktionsprüfung |
Eingabemethode | App-Bestätigung | Numerisches Tastenfeld | Lange Passphrasen sind auf der MK4 umständlicher als auf der Q |
Akku | Kein Akku (NFC-betrieben) | USB-betrieben (kein interner Akku) | USB-Kabel nicht enthalten |
Einrichtungszeit | Unter 2 Minuten | 20–30 Minuten | MK4: Seed notieren, PIN setzen, Würfel-Entropie optional |
Preis | 54,90 $ (2er-Set) / 69,90 $ (3er-Set) | 158 $ + Zubehör | Tangem-Redundanz ist im Set enthalten |
Für einen tieferen Einblick, wie das Secure Element von Tangem funktioniert und wogegen es schützt, siehe die Secure Element-Serie im Tangem Blog.