Krypto-Wallet ohne Seed-Phrase: Sicherer und einfacher

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Rukkayah Jigam

Was ist eine Seed-Phrase und warum wird sie immer wieder gestohlen?

Eine Seed-Phrase (auch Recovery-Phrase oder Mnemonic genannt) ist eine Abfolge von 12 oder 24 Wörtern, die bei der Einrichtung einer Wallet generiert wird. Sie dient als menschenlesbares Backup des privaten Schlüssels deiner Wallet. Gibst du diese Wörter in eine kompatible Wallet ein, erhältst du vollen Zugriff auf deine Assets. Jede Transaktion, jedes Asset, jeder Kontostand: verloren oder wiederhergestellt – je nachdem, wer diese Liste besitzt.

 

Das ist das Prinzip – und zugleich das Problem. Bei einem klassischen BIP39-Setup erzeugt die Phrase deine privaten und öffentlichen Schlüssel deterministisch neu. Geht die Phrase verloren, ist der Zugang weg. Doch jeder, der diese Wörter kennt, erhält sofort und weltweit Zugriff – ohne weitere Verifizierung.

 

Das Blockchain-Analyseunternehmen TRM Labs fand heraus, dass im Jahr 2024 fast 70 % der gestohlenen Gelder auf Angriffe zurückzuführen waren, bei denen private Schlüssel und Seed-Phrases kompromittiert wurden. Eine weitere Analyse für das erste Halbjahr 2025 bezifferte die Verluste durch Wallet-Übernahmen infolge von Seed-Phrase- und Private-Key-Diebstahl auf rund 1,71 Milliarden US-Dollar. Das sind keine Einzelfälle – Seed-Phrase-Diebstahl ist der wichtigste Angriffsvektor nach Volumen.

 

Der Grund für diese hohen Zahlen: Die Seed-Phrase ist ein Geheimnis, das irgendwo gespeichert werden muss. Papier kann verbrennen. Festplatten gehen kaputt. Screenshots werden in die Cloud synchronisiert. Phishing-E-Mails, die MetaMask imitieren, locken Nutzer auf gefälschte Seiten, auf denen sie ihre 12 Wörter angeblich als „Sicherheitsprüfung“ eingeben sollen. Trust Wallet-Nutzer erleben ähnliche Kampagnen – perfekt gestaltete E-Mails fordern sie auf, ihre Wallet über einen Link zu „revalidieren“, der direkt zu einem Angreiferformular führt. Wird die Phrase dort eingegeben, ist die Wallet verloren.

 

Eine Studie der CHI Conference 2025 ergab, dass nur 43,4 % der befragten Krypto-Nutzer eine Seed-Phrase korrekt identifizieren konnten. Die meisten, die Krypto besitzen, wissen nicht genau, was sie eigentlich schützen sollen. Seed-Phrases sind für die meisten Menschen unpraktisch und strukturell riskant.

Krypto-Wallet ohne Seed-Phrase: Warum sie sicherer (und einfacher) ist

Der zentrale Unterschied: Geschriebenes Geheimnis vs. physisches Objekt

Seedless wallets verzichten auf das 12- oder 24-Wörter-Backup und setzen stattdessen auf ein alternatives Sicherungsverfahren. Der private Schlüssel existiert weiterhin (er wird für Transaktionen benötigt), aber er liegt niemals als menschenlesbare Phrase vor, die gelesen, getippt oder fotografiert werden kann. Das Bedrohungsmodell ändert sich grundlegend: Mit Seed-Phrase schützt du ein Geheimnis, das mindestens an einem physischen oder digitalen Ort existiert. Mit einer seedless Wallet schützt du ein physisches Objekt. Das ist ein völlig anderes Problem – und für die meisten Menschen deutlich einfacher.

 

Die häufigsten Fehlerquellen bei Seed-Phrases sind bekannt: Ein Papier-Backup geht verloren oder wird beschädigt, ein digitales Backup wird gehackt, der Speicherort wird vergessen oder es gibt nur ein Backup ohne Redundanz. Anfang 2025 galten schätzungsweise 2,3 bis 3,7 Millionen Bitcoins als dauerhaft unzugänglich – meist wegen vergessener Passwörter oder verlorener Seed-Phrases. Das ist kein Rundungsfehler, sondern eine Verlustkategorie, die ein anderes Wiederherstellungsmodell weitgehend vermeidet.

So funktioniert das Seedless-Modell von Tangem

Tangem's hardware wallet setzt auf einen speziellen Ansatz. Ein True Random Number Generator auf dem Chip erzeugt den privaten Schlüssel direkt im Samsung S3D350A secure element, das nach Common Criteria EAL6+ zertifiziert ist. Der Schlüssel verlässt diesen Chip nie. Weder die App Tangem noch sonst jemand kann ihn auslesen, kopieren oder exportieren.

 

Es gibt keine Seed-Phrase, die aufgeschrieben, fotografiert oder versehentlich in ein Phishing-Formular eingefügt werden könnte. Der Schlüssel entsteht auf dem Chip und bleibt dort. Die Wiederherstellung erfolgt über physische Backup-Karten. Tangem's hardware wallet wird als 2er- oder 3er-Kartenset ausgeliefert. Jede Karte enthält eine identische Kopie der Schlüssel. Geht eine Karte verloren, bleibt der Zugriff erhalten – du hast ja noch die anderen Karten. Tangem empfiehlt, Backup-Karten an getrennten Orten aufzubewahren: eine im Alltag, eine sicher zu Hause und optional eine bei einer Vertrauensperson oder im Bankschließfach. Jede Karte im Set gewährt vollen Zugriff. Die Karten sind funktional gleichwertig.

 

Das ist der Portabilitäts-Kompromiss: Eine BIP39-Phrase kann deine Wallet in jeder kompatiblen Software wiederherstellen. Das seedless-Modell von Tangem erfordert den Besitz mindestens einer kompatiblen Backup-Karte. Du tauschst also software-portable gegen hardware-portable Wiederherstellung. Für die meisten Einsteiger ist das ein lohnender Tausch – eine Karte in der Schublade lässt sich schwerer phishen als eine Phrase in einer Notiz-App.

Was der Chip tatsächlich macht

Wenn du eine Tangem Card an dein Smartphone hältst, signiert das secure element die Transaktion direkt auf dem Chip und gibt nur die signierte Antwort zurück. Der private Schlüssel verlässt niemals die NFC-Verbindung. Die Karte kommuniziert über einen AES-256-encrypted channel im Abstand von 0–5 cm, vollständig mit Strom vom NFC-Feld des Smartphones. Es ist keine Batterie oder Aufladung nötig.

 

Die Firmware wird ab Werk installiert und kann nach der Produktion nicht mehr aktualisiert werden. Das ist eine bewusste Designentscheidung: Sie eliminiert das Risiko von Angriffen über Firmware-Updates. Unabhängige Prüfer wie Kudelski Security (2018), Riscure (2023) und Cure53 (2026) haben die Firmware auditiert. Der App-Code ist auf GitHub einsehbar. Tangem berichtet, dass über 9 Millionen Geräte ausgeliefert wurden – ohne einen einzigen erfolgreichen Hack.

Seedless im Vergleich zu Seed-Phrase-Wallets

Hier ein direkter Vergleich der gängigsten Wallets für Einsteiger:

WalletTypBackup-MethodeSchlüsselspeicherungSeed-Phrase erforderlich?
Tangem CardCold / HardwarePhysische Backup-KartenEAL6+ secure elementNein (optional)
MetaMaskHot / Browser12-Wörter-Seed-PhraseBrowser-/GerätespeicherJa
Trust WalletHot / Mobile12-Wörter-Seed-Phrase (+ SWIFT-Passkey-Option)GeräteverschlüsselungJa (Standard)
Ledger Nano XCold / Hardware24-Wörter-Seed-PhraseEAL5+ secure elementJa

Tangem's seedless Standard entfernt die Seed-Phrase vollständig aus dem Prozess. Die Phrase existiert nur, wenn du sie explizit anlegst. Tangem bietet für Nutzer, die das möchten, eine optionale BIP39-Seed-Phrase an. Die Implementierung unterstützt das Importieren von 12-, 15-, 18-, 21- oder 24-Wörter-Phrasen, aber die Standard-Einrichtung erzeugt keine Phrase.

 

MetaMask speichert Seed-Phrases und Private Keys lokal im Browser oder auf dem Gerät. Das Backup erfolgt über eine 12-Wörter-Seed-Phrase, die als einzige Option im Vault hinterlegt ist. MetaMask unterstützt Ethereum, Polygon und andere EVM-kompatible Netzwerke, ist aber nicht für BTC geeignet.

 

Trust Wallet unterstützt mehr als 100 Blockchains und über 10 Millionen Tokens mit einer standardmäßigen 12-Wörter-Seed-Phrase als Backup. Es gibt eine neue SWIFT-Passkey-Option, die an die Gerätebiometrie und ein Cloud-Konto gebunden ist, aber die Seed-Phrase bleibt Standard. Keine der beiden Wallets verfügt über ein dediziertes Hardware-Sicherheitsmodul.

 

Ledger verlangt zwingend eine 24-Wörter-Seed-Phrase. Zusätzlich gibt es Ledger Recover, einen kostenpflichtigen Service (seit Oktober 2023), der die geheime Recovery-Phrase verschlüsselt und in drei Fragmente aufteilt, die bei unabhängigen Verwahrern gespeichert werden. Ledger rät ausdrücklich davon ab, eine Seed-Phrase unverschlüsselt digital zu speichern – auch nicht in der Cloud oder als Screenshot.

Die entscheidende Frage zur Verwahrung

Self-custody bedeutet: Du, nicht eine Börse oder ein Dienstleister, kontrollierst den privaten Schlüssel und signierst Transaktionen lokal. Seedless heißt nicht automatisch Verwahrung durch Dritte. Entscheidend ist, wer den privaten Schlüssel kontrolliert – nicht, ob die Wiederherstellung über eine Wörterliste läuft.

 

Tangem's hardware wallet ist vollständig selbstverwahrt. Keine Registrierung, kein KYC, keine Erfassung persönlicher Daten. Transaktionen werden direkt auf der Blockchain ausgeführt. Die Tangem-App gibt es nur für Mobilgeräte: iOS ab Version 16.0, Android ab 6.0. Es gibt keine Desktop- oder Weboberfläche – das ist eine echte Einschränkung für Nutzer, die ihr Portfolio lieber am Computer verwalten möchten.

 

Und der wichtigste Hinweis: Gehen alle Backup-Karten verloren und wurde keine Seed-Phrase erstellt, sind die Mittel dauerhaft verloren. Es gibt keine Wiederherstellung durch den Anbieter, kein Support-Ticket, das den Zugang zurückbringt. Self-custody beseitigt die Abhängigkeit von Börsen, überträgt aber die volle Verantwortung für das Schlüsselmanagement auf dich. Seedless macht diese Verantwortung einfacher: Du schützt eine Karte statt 24 Wörter – aber schützen musst du sie trotzdem.

Für wen eignet sich eine seedless Wallet?

Einsteiger, die das Seed-Phrase-Modell abschreckt, sind nicht nachlässig. Sie erkennen zu Recht das Risiko, einen menschenlesbaren Generalschlüssel zu erhalten und diesen für immer sicher aufbewahren zu müssen. Das ist eine echte Herausforderung.

 

Eine seedless Hardware-Wallet wie Tangem eignet sich besonders für:

  • Alle, die neu in Krypto sind und Self-Custody ohne Seed-Phrase-Lernkurve möchten
  • Nutzer, die schon einmal ein Seed-Phrase-Backup verloren oder fast verloren haben
  • Menschen in Regionen mit häufigen Phishing- und Betrugsversuchen rund um Krypto
  • Langfristige Anleger, die Offline-Speicherung ohne komplizierte Einrichtung suchen

Das 2er-Kartenset von Tangem startet ab 54,90 $. Die Einrichtung erfordert kein schriftliches Backup, kein technisches Vorwissen und keine Seed-Phrase zum Verwalten.

 

Hot Wallets wie MetaMask und Trust Wallet sind weiterhin praktisch für häufige DeFi-Transaktionen und kleinere Beträge. Doch für größere Werte ist eine Wallet, deren Wiederherstellung von einem Stück Papier abhängt, ein strukturelles Risiko. Eine seedless Hardware-Wallet ist gezielt dafür entwickelt, dieses Risiko zu eliminieren.

Häufig gestellte Fragen

  • Nein. Tangem nutzt physische Backup-Karten statt einer Wörterliste. Zwei oder drei Karten enthalten identische Kopien des privaten Schlüssels – der Verlust einer Karte bedeutet also keinen Verlust des Zugangs. Bevor du eine seedless Wallet nutzt, solltest du das jeweilige Wiederherstellungsmodell genau verstehen. Ein Backup existiert – nur eben nicht als Wörterliste.

  • Die Seed-Phrase fällt als Angriffsvektor weg, aber physische Sicherheit bleibt wichtig. Wer alle Tangem-Karten und den Zugangscode besitzt, kann auf deine Mittel zugreifen. Für Transaktionen ist ein Tap der Karte und ein Zugangscode (mindestens 6 Zeichen) nötig. Wenn du Backup-Karten an getrennten Orten aufbewahrst, reduzierst du dieses Risiko deutlich.

  • Ja. Entscheidend ist, wer den privaten Schlüssel kontrolliert – nicht, ob die Wiederherstellung über eine Wörterliste läuft. Tangem's hardware wallet ist vollständig selbstverwahrt: Der private Schlüssel wird direkt auf dem Chip erzeugt und verlässt das secure element nie. Es ist keine Registrierung oder KYC erforderlich, und Tangem gibt an, keine persönlichen Daten zu erfassen oder Transaktionen zu überwachen.

  • Gehen alle Backup-Karten verloren und wurde keine Seed-Phrase bei der Einrichtung erstellt, sind die Mittel dauerhaft verloren. Es gibt keine Wiederherstellung durch den Anbieter. Das ist der ehrliche Tausch: Seedless beseitigt das Risiko des Seed-Phrase-Diebstahls, aber die Verantwortung für die physischen Karten bleibt. Tangem empfiehlt, Karten an mindestens zwei getrennten Orten aufzubewahren.

  • Ja. Die seedless Einrichtung ist Standard, aber Tangem's hardware wallet unterstützt optional auch eine BIP39-Seed-Phrase. Du kannst in der App eine neue 12- oder 24-Wörter-Phrase generieren oder eine bestehende 12-, 15-, 18-, 21- oder 24-Wörter-Phrase importieren. Die Implementierung ist BIP39-kompatibel und unterstützt eine Passphrase. Wer software-portable Wiederherstellung möchte, kann sie nutzen – muss aber nicht.

  • Beide Wallets sind softwarebasierte Hot Wallets ohne dediziertes Hardware-Sicherheitsmodul. Die Seed-Phrase ist das Standard-Backup für Software-Wallets, weil sie ein portables Backup bietet, das nicht an ein bestimmtes Gerät gebunden ist. MetaMask nutzt diese Wörterliste als einzige Backup-Option, gespeichert im Browser oder Gerätespeicher. Trust Wallet verwendet standardmäßig eine 12-Wörter-Phrase. Der Nachteil: Beide sind anfällig für Phishing – Kampagnen, die MetaMask und Trust Wallet imitieren, bringen Nutzer regelmäßig dazu, ihre Phrase auf gefälschten Seiten einzugeben.

  • Ja. Die Karte speichert die Schlüssel, die App läuft auf dem Smartphone deiner Wahl. Die Tangem-App funktioniert ab iOS 16.0 und Android 6.0 mit vollem NFC-Support. Du benötigst nur ein kompatibles Smartphone und mindestens eine Karte aus deinem Set.

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Autor Rukkayah Jigam

Writer & editor covering digital assets and product updates.

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Rezension von Patrick Dike-Ndulue

Senior editor covering crypto, onchain equities, and technology.